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Okt-2015

Geschichte von 1900 bis 1945

Geschichte   /  

von 1900 bis 1945

1902/03 finden in Markgrafenheide erfolgreich Brunnenbohrungen statt. Darüber gibt es Rechnungen einer Brunnenbaufirma an die Stadt, die Reste findet man noch immer im Wald hinter den Häusern am Waldweg.

1903 – die Wartehalle der Strandbahn – das heutige Restaurant „Utspann“ – ist fertiggestellt.

1906 – Einstellung von 250 Mark in den Haushalt zu Errichtung einer Chaussee von Warnemünde über Markgrafenheide nach Hinrichshagen zur neuen Chaussee, obwohl in diesem Jahre nur 2 Kossaten-Gehöfte und ein Forsthof in Markgrafenheide angesiedelt waren. Man versprach sich eine Entwicklung zum Seebad wegen des schönen Badestrandes. 1907 begann der Bau der Chaussee, es mussten Bäume gefällt werden und an der Ostseite des Moorgrabens wurde Erde aufgeschüttet.

Gaststätte "Forsthaus"

Gaststätte „Forsthaus“

Um das Jahr 1908 wurde das Forsthaus errichtet. Dezember 1908 Fertigstellung der Chaussee von Warnemünde über Markgrafenheide nach Hinrichshagen. Die Kosten betrugen 162000,00 Mark.

Im Februar 1910 beginnen die ersten Erdarbeiten für die Strandbahn. Schon zu diesem Zeitpunkt wurden Überlegungen angestellt die Bahn bis Graal Müritz zu verlängern.

Geschafft, am 01. Juli 1910 ist die feierliche Einweihung der Strandbahn. Haltestellen sind Fähre Warnemünde – Tor Mitte – Tor Ost – Hohe Düne – Heid Eck – Forsthaus Markgrafenheide. Die Strecke ist eingleisig mit einer Ausweiche an der Haltestelle Hohe Düne und je einem Umsetztgleis an den Endhaltestellen. Die Spurweite beträgt 1000 mm und die Streckenlänge 4,9 km, die Wagenhalle befindet sich an der Endhaltestelle Fähre.

1914 bis 1926 werden Dränageleitungen und Gräben in Markgrafenheide gezogen um den Grundwasserspiegel zu senken.

9. Dezember 1924 – offizielle Eingemeindung von Markgrafenheide nach Rostock.

17. Juni 1926 – der Plattdeutsche Verein „Unkel Broesig“ weiht sein neues Domizil in Markgrafenheide ein.

1928 gibt es erste Nachfragen bei der Stadt und beim Forstamt zur Errichtung von Wochenendhäusern in Markgrafenheide am Kanal (Moorgraben) rechts und links vom selbigen. Am 4. Juni 1928 wird die Genehmigung zur Errichtung einer Siedlung in den “Budentannen” westlich der Schneise erteilt. Im Herbst 1928 standen schon 4 sehr massive Häuschen. Die erste Planung schrieb ein Reetdach vor was jedoch die Baupolizei nicht gut hieß und ein feuerfestes Dach vorschrieb. Gebaut wurden aber nicht alle, heute stehen diese Häuser am Dünenweg. Interessenten gab es schon zu dieser Zeit aus dem Berliner und Brandenburger Raum. Seit der Erteilung der Genehmigung zur Errichtung streiten sich die Pächter mit der Stadt um eine Änderung der Verträge in ihrem Sinn. Vorgesehen waren 25 Jahre Pachtzeit und anschließende Rückübertragung der Parzellen an die Stadt, frei von allen Gebäuden. Die Stadt war auch nicht gewillt irgendwelche Ausgleichszahlungen vorzunehmen. Auf der Ratssitzung am 20.03.1929 wird dem Begehren der Pächter stattgegeben und die Pachtzeit auf 50 Jahre verlängert.

Wochenendhaeuser1

In diese Zeit fällt wahrscheinlich auch die Errichtung des “Kaffee Heideck”. Schon 1930 beantragen die Eigentümer der Wochenendhäuser die Errichtung von Garagen. Diesem Antrag wird im selben Jahr zugestimmt.

1929 gibt es folgende Gebäude in Markgrafenheide: Forsthaus (damals Krugländerei) und die dahinterliegenden Grundstücke, Forstfuhrmannshof (Försterei), 3 Forstfuhrmannsstellen (eine war auf dem heutigen Gelände des KGV Radelsee). Der Kleingartenverein „Radelsee“ war geteilt in mehrere Parzellen. Die Pächter waren vorwiegend Warnemünder Bürger, circa 21 an der Zahl, ein Pächter aus Markgrafenheide war der Strandbahnfahrer Franz Krause.

Das Restaurant Forsthaus wurde nach einem Brand 1930 neu gebaut

Das Restaurant Forsthaus wurde nach einem Brand 1930 neu gebaut

Am 10. Juli 1930 brennt das erste Forsthaus nieder. Um 12:30 Uhr war in Rostock folgende Meldung eingegangen: „Großfeuer im Kruggehöft von Markgrafenheide“. Sofort rückte die Rostocker Wehr mit ihrer Überlandspritze aus und fand bei ihrem Eintreffen am Brandort schon den Warnemünder Löschzug vor. Da das Waldrestaurant zum Glück direkt neben dem Forstkanal lag, konnten die Warnemünder sofort die beiden Wasserleitungen für ihre neue Motorspritze legen und mit dem Löschen beginnen. Das Feuer war ursprünglich im Schweinestall ausgebrochen und hatte binnen kurzer Zeit das ganze Haus ergriffen und in ein Flammenmeer versetzt. Die ungeheure Feuersbrunst legte das Kruggehöft bis auf die beiden Veranden in Schutt und Asche. Mit diesem ungeheuren Brande verschwindet eines der beliebtesten Ausflugsziele der Rostocker sowie auch der Warnemünder Badegäste” schrieb dazu die Presse. Doch bereits zum Himmelfahrtstag am 16. Mai 1936, wurde nach emsiger Bautätigkeit die Wiedereröffnung einer neuen Einrichtung gefeiert. Das Forsthaus Markgrafenheide war ein völliger Neubau mit einem zeitgemäßen Restaurant einschließlich Pensionsbetrieb.

Am 14. Juni 1933 beschließt die Ratssitzung in Rostock die Ortssatzung für die Wochenendhaus-Siedlung in Markgrafenheide.

Die Karte zeigt die vorhandenen Häuser in Markgrafenheide circa 1932, das Forsthaus und der Forstfuhrmannshof sind nicht abgebildet.

Die Karte zeigt die vorhandenen Häuser in Markgrafenheide circa 1932, das Forsthaus und der Forstfuhrmannshof sind nicht abgebildet.

1934 – Die Kasernenanlage entsteht

Diese Karte zeigt welchen Zweck die Häuser der Fliegerschule hatten und wie sie angeordnet waren.

Diese Karte zeigt welchen Zweck die Häuser der Fliegerschule hatten und wie sie angeordnet waren.

04. Mai 1934 wird der Kaufvertrag zwischen der Stadt und der DVS „Deutsche Verkehrsfliegerschule“ geschlossen. Im gleichen Jahr entsteht die Kasernenanlage in Markgrafenheide. Erst als Unterkunft für die Fliegerschule in Hohe Düne und danach für Soldaten. Mitte der 30er Jahre war schon der Sportplatz auf Karten des Katasteramtes eingezeichnet, jedoch keine Häuser der Kasernenanlage da diese schon Militärische Bauten waren. 1937 gehen die Anlagen in den Besitz des Reichsfiskus Luftfahrt über. Mitte der 30er werden die kleinen Zweifamilienhäuser im Zentrum (heute Waldsiedlung) des Ortes erbaut.

Ebenfalls Mitte der 30er Jahre wird mit der Planung für eine Bahnverbindung von Rövershagen nach Markgrafenheide begonnen.

Im Juni 1936 wird bei der Stadtverwaltung bemängelt, dass in Markgrafenheide keinerlei öffentliche Bedürfnisanstalt existiert, obwohl viele Strandgäste und Zelter am Strand und im Küstenwald anzutreffen sind. Sehr schnell wird beschlossen das ab 1937 zelten nicht mehr gestattet wird, die im Jahr 1936 stehenden Zelte dürfen noch den Sommer über stehen bleiben. Am 21. Juli 1936 wird dies auch in der Ortssatzung §2 niedergeschrieben. Dies dürften die ersten Camper in Markgrafenheide gewesen sein. Die Strandbahn fuhr ab 1936 ganzjährig, da der Bedarf durch den Ausbau des Fliegerhorstes stieg. Im November 1937 wird die Ortssatzung dahin geändert das es heißt: Zelten ist verboten, soweit nicht Zeltplätze von der Stadt zur Verfügung gestellt werden.

1937 war ein sehr spannendes Jahr für Markgrafenheide, der Bürgermeister besichtigte den Ort. Im Anschluss an seinen Besuch ordnete er folgendes schriftlich an: “Das die Budentannenschneise vom Krug Markgrafenheide (Forsthaus) bis zur See als fester ausgebaut werden soll“. Auch ein Ausbau der bestehenden Siedlung zum Badeort wird gefordert. Es werden erste Pläne ausgearbeitet, aber es ist noch keine Finanzierung in Sicht.

1940 wird auf der Großen Moorwiese ein Behelfsschießplatz für die Luftwaffe eingerichtet, nur für die Dauer des Krieges.

1941 war der Bau einer Trafo Station für alle Häuser in Markgrafenheide geplant. Ob dies umgesetzt wurde kann im Moment nicht bestätigt werden. Der heutige Waldweg hieß auf der alten Karte noch Zollhausweg. Und das Eckhaus wird in Karten aus dieser Zeit noch Zollhaus genannt. Im Mai 1944 wird die Forderung von der Luftwaffe gestellt, 5 Mannschaftsbaracken, aus dem Fliegerhorst auszulagern. Diese werden im August selben Jahres gebaut. Dazu ein Bericht der Forstinspektion: „Es werden 2 neue Baracken an der Warnemünder Chaussee gebaut“. Diese stehen noch an alter Stelle und sind das heutige Heidehotel am Ortseingang.

Am 01. Mai 1945 um 05:10 Uhr fährt zum letzten Mal die Strandbahn, einige Wagen fahren später noch in Rostock.

Weiter mit der Geschichte von der Nachkriegszeit bis zur Wende 1989…

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  • Herfurth , Michael sagt:

    Moin , moin . Gibt es noch Fotos oder Lagepläne vor 1945 für das Gelände vor der A. Köbis -Str. 1b Richtung Hohe Düne ? Unter unserem Garten sind Fundamentreste , die zu einer Kantine der Kaserne gehören sollen ? Viele Grüße von Fam. Herfurth Garten 94 ” Erlengrund “

  • Frank Niehusen sagt:

    Guten Tag Familie Herfurth,
    ich kann ihnen leider mit solchen Plänen nicht dienen.
    Im Archiv der Hansestadt Rostock ist auch nichts zu finden.

  • Schmidt, Volker sagt:

    Hallo Herr Herfurth,
    bei dem Gelände, auf dem Ihr Garten liegt, handelt es sich um den Instandhaltungsbereich des KfZ-Fuhrparks der Luftwaffeneinheit Hohe-Düne. Letztes Relikt dieser Anlagen ist der Bunker, in dem die Freiwillige Feuerwehr bis zum Neubau untergebracht war. Dieser war notwendig, um bei Fliegeralarm die mit der KfZ-Wartung beschäftigten Personen schnell in geschützte Unterstände verbringen zu können. Dazu waren auch die inzwischen abgetragenen beiden Bunker in den Dünen zwischen Hohe-Düne und Markgrafenheide gebaut. Sicher hat auch Familie Wussow noch Erinnerungen an die Rampe, die vor Einzäunung der Gärten von der Bevölkerung für private Reparaturen ihrer Trabant etc. genutzt wurde. Der Abriss dieser Baracken vor “Block 1b” erfolgte allerdings bereits mit dem Abzug der Roten Armee zu Stalins Geburtstag Weihnachten 1946. Zumeist wurden deren Bestandteile an die (Neu-)Bauern der Umgebung veräußert.
    Falls es überhaupt Unterlagen über diesen Wirtschaftsbereich gab, so sind diese in den Unterlagen der Luftwaffe zu suchen. Das Stadtarchiv hat wegen dessen “Nichtzuständigkeit” keine Unterlagen über Wehrmachtsbauten.
    Die “Gärten” in Markgrafenheide wurden ab 1949 von den seinerzeit dort angesiedelten Arbeiten der Warnowwerft in Besitz genommen um mit deren Erträgen die kärgliche Lebensgrundlage aufzubessern. Häufig mussten dazu die entsprechenden Parzellen erst urbar gemacht werden. Eine Kantine gab es an diesem Standort allerdings zu keinem Zeitpunkt!
    In der Hoffnung etwas zur Klärung der Problematik “Fundamente” beigetragen zu haben
    mit freundlichem Gruß , auch an Gudrun und Martin,
    Volker Schmidt

  • Franz wiedmann sagt:

    Hat jemand noch Photos vom eingangsbereich der Kaserne, wo heute links immer noch eine hohe Säule steht, auf der sich bis 1945 ein Reichsadler befand? schön dass sowohl Kommunisten, als auch heutige Machthaber das kleine Zeitzeugnis nicht dem Erdboden gleich gemacht haben.Danke, wenn einer hier was einstellen kann.

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